Laissez-Faire von Marc Liebe

20.August 2011 - Heimspiel gegen Liverpool.
Getrübt durch die Verkäufe unserer damaligen Starspieler blieb uns nicht viel mehr übrig als ein junges, unerfahrenes Team auflaufen zu lassen. Unser Neuzugang Gervinho hatte sich zumal im ersten Saisonspiel in Newcastle zu einer unrühmlichen Tat hinreißen lassen und verbrachte das Spiel rotgesperrt auf der Tribüne.
Die Stimmung unter unseren Anhängern war durchweg negativ. Uns fehlten Erfahrung & Routine in allen Bereichen des Platzes. Was mir von diesem Spiel hängengeblieben ist, waren zwei Sachen:
1.) Wir haben trotz der Unterlegenheit auf Papier sehr gut gegen gehalten, waren sogar stellenweise das bessere Team. Die Fans haben es den Spielern lautstark gedankt.
2.) Die rote Karte für Emanuel Frimpong besiegelte unseren Untergang. Jedem Zuschauer war dies klar.
Als die rote Karte seitens des Schiedsrichters gen Himmel gestreckt wurde und Frimpong seinen Weg in die Kabine betrat, gab es Standing-Ovations für einen Jungen, der genau das präsentierte, was sich der durchschnittliche AFC-Anhänger wünscht.
Er verkörpert den stetigen Willen, trotz seiner noch nicht vollkommenen spielerischen Reife nie aufzustecken. No retreat, no surrender - getreu dem Motto des ersten Teils der Karate Tiger-Reihe.
Ein Spieler, der nun zum wiederholten Male eine mehrmonatige Verletzungspause antreten muss, verursacht durch seinen Einsatz für ein Team, für das er derzeit als Leihgabe aufläuft. Deren Fans ihn in nur zwei Spielen in ihr Herz geschlossen haben. Als er vom Spielfeld mittels Trage gen Katakomben manövriert wurde, erntete er abermals Respekt, Anerkennung und wahrhaftiges Mitgefühl.
Am Sonntag, den 22.01.2012, erschienen auf einer Anzeigetafel im Norden Londons zwei Nummern. Die eine war die 15, die andere die 23. Was folgte war ein gellendes Pfeifkonzert. Der Unmut in N5 ist groß dieser Tage. Noch nie wurde ein Auswechslung in der Art kommentiert. Ein Riss tat sich auf und man fragt sich, ob es dies eine Entscheidung war, welche das Schicksal einer Legende besiegelt hatte. Eine Anzeigetafel wurde zum Sinnbild dessen, was seit nunmehr drei Spieltagen den Niedergang der Aufholjagd um einen Champions-League-Platz bedeutete. Laissez-Faire. Fehlende Motivation, Inspiration & Kampfgeist. Selbstüberschätzung. Der Niedergang des Arsene Wenger?
Es war vor dem Spiel die Rede von Rache. Es endete in einem Desaster.
Das Ergebnis war nicht von allzu großer Bedeutung. Manchester United mag nicht mehr die spielerischen Anlagen besitzen, wie sie es noch vor einigen Jahren taten. Die taktische Disziplin und Motivation des Einzelnen ist jedoch beinahe einzigartig. Und wenn es mal nicht so läuft, nimmt man halt einen eingewechselten Spieler wieder vom Platz. Persönlich sehe ich United nicht auf unserem Niveau, was die Spielanlagen betrifft. Das war bei Swansea ähnlich. Nichtsdestotrotz haben wir 6 Punkte verloren.
Die Faktoren hierfür sind in beiden Fällen gleich zu deuten. Wenn man ohne gelernte Außenverteidiger auftritt, wird man über die Flügel ein Problem bekommen. Steht dort nun ungeschultes Personal oder schlimmer - Spieler, die ihre eigentliche Profession in anderen
Gefilden des Spielfelds sehen - ergeht es jenen so, wie es Johan gestern mit Nani, Giggs und Evra ergangenen ist. Jene Auswechslung war die einzig nachvollziehbare im United- Desaster und Yennaris hat als gelernter, wenn auch unerfahrener Rechtsverteidiger relativ schnell erkennen lassen, dass er die bessere Alternative zu Sagna und Jenkinson als ein gelernter Innenverteidiger ist.
Wenn man einen derart geistlosen Spieler wie Theo Walcott vor sich stehen hat, kann selbst ein gelernter Rechtsverteidiger seine Probleme bekommen. Und wenn man einen Andrei Arshavin an der Seite hat, dann hat man 100%ig ein Problem. Es dauerte keine 8 Minuten bis Arshavin preisgab, warum kein Platz mehr in London für ihn ist. Der Ausgang seines unmotivierten Blockversuches, welcher Valencia den Weg zum 1-2 ermöglichte, war ein weiteres Paradebeispiel für das vorgetragene Laissez-Faire des Russen. Ein Spieler, der seit Monaten mit unterirdischen Leistungen von sich Reden macht, wird für den besten Spieler (neben Koscielny) eingewechselt und verursacht dann zu allem Übel auch noch das 1-2.
Es gab ein Statement von Cesc Fabregas, in dem er zu Protokoll gab, dass in der zweiten Hälfte der Saison 2010/11 niemand mehr für Motivation innerhalb des Teams sorgte. Als ehemaliger Kapitän muss er sich natürlich in dem Zusammenhang Kritik gefallen lassen. Das Hauptmaß der Kritik fällt jedoch auf eine Person, die 7 Millionen Pfund jährlich als Eingang auf seinem Konto verzeichnet und seit nunmehr 7 Jahren erfolglos das Zepter in der Hand hält. Ich bin ein großer Arsene Wenger-Fan und betrachte ihn als lebende Legende. Doch selbst Michael Ende fand für seine „Unendliche Geschichte“ einen Schluss. Es geht nicht mehr um Transfers. Es geht hierbei um eine Philosophie - Victoria Concordia Crescite. Erfolg (Sieg) durch Harmonie. Der Erfolg ist verblasst, die Harmonie ist dahin. Wenn selbst ein Kapitän den Navigator und seine Richtweisung in Frage stellt, ist es vielleicht besser, die Navigation neu zu justieren. In der EPL wimmelt es nur so von Eisbergen.
Abschließend möchte ich ein paar Namen nennen und ein jeder sollte sich mittels seiner aktuellsten Erinnerungen einen Zusammenhang von jenen überlegen:
Oxlade-Chamberlain, Frimpong, Koscielny, Van Persie, Arteta, Wilshere, Henry, Lansbury, Yennaris, Miquel, Coquelin, Santos, Sagna, (Gervinho)
Arshavin, Walcott, Ramsey, Song, Squillaci, Bendtner, Denilson, Chamakh, Wenger
VCC
Die Liebe Kolumne
Die Liebe Kolumne Edition 2
Wenn die Maus die Katze fängt
Eine bewegte Woche liegt hinter uns. Erst haben wir unseren ersten 3er gegen die Schwäne aus Wales eingefahren, erkämpften einen Punkt im Hexenkessel zu Dortmund und mussten dann am Samstag mit ansehen, wie wir uns selbst demontierten.
Oh Arsenal, I love you! Mit Dir wird es partout nicht langweilig.
Der Trip nach Dortmund war für mich etwas ganz Besonderes. Zwar bin ich aktiver Arsenal-Anhänger seit der 2005/06er Saison, hab es aber noch nie geschafft, ein Spiel live zu verfolgen. Im Februar war ich anwesend, als wir alle Zeuge unserer bis heute anhaltenden Misere wurden. Leider nicht im Wembley. Aber immerhin im wundervollen 12 Pins am Finsbury Park. Ein wahrlich prägendes Erlebnis. Es war mir jedenfalls ein Fest, mit so vielen Arsenal-Liebhabern auf so engem Raum beisammen gestanden zu haben und die Mannschaft nach vorne zu peitschen. Auch wenn der Stimmkampf gegen 63.000 Dortmunder verloren ging. Unsere Away-Boys sind schon ein sehr sympathischer Haufen, die sich durch nichts und niemanden beeindrucken lassen.
Derweil habt ihr mit Sicherheit genug Analysen zum Spiel gelesen oder gehört, weshalb ich nicht noch mal im Detail darauf eingehen möchte. Dortmund war taktisch und spielerisch überlegen. Nicht umsonst habe ich einige Male den Vergleich zu Barca gelesen. Was wir aber an kämpferischer Leistung gezeigt haben, war sehr beeindruckend. Ich habe in meinem bald siebten Jahr als Anhänger noch nie gesehen, dass wir uns so abrackern können. Klar bin ich auch ein Fan der Wengerʻschen Kurzpass-Schule aber wenn mein Team sich so einen Kampf liefert und damit den wahrscheinlich schwierigsten Gegner der Gruppe auswärts einen Punkt abluchst - Chapeau, Arsenal!
Unser defensives Mittelfeld und die Verteidigung hat dicht gehalten. Nehmen wir die ersten 20 Minuten bei der Bewertung mal raus. Schade war nur, dass nichts nach Vorne gegangen ist aber Dortmund hat unsere Offensivbemühungen mit ihrem aggressiven Pressing noch vor der Mittellinie im Keim erstickt. Für die Zukunft wünsche ich mir in solchen Fällen mal einen taktischen Umschwung zum Kick & Rush. Sieht nicht gut aus? Was interessiert mich das, wenn der Ball schlussendlich im Netz zappelt? Das Runde muss ins Eckige - nicht von der linken Strafraumgrenze ins Mittelfeld zurück, zur rechten Strafraumgrenze und wieder zurück. Und das Ganze am besten 5 Minuten lang.Einige Stimmen haben sich über Gervinho und seine Dribblings beschwert. Er sah schon stellenweise unglücklich aus aber im TV kann man klar abstecken, dass er, der situationsbedingt von 3-4 Gegenspielern gestellt wird, nicht immer die Anspielstation hatte. Logisch, dass da ein Spieler freistehen muss. Aber wo waren sie gestanden?
Das Fazit:
Dortmund hat 2 Punkte verloren, wir einen gewonnen.
Danken müssen sie Perisic, der mit seiner überragenden Schusstechnik das vormalig erzwungene Glück in ein Tor ummünzte. Sonst hätten die Dortmunder noch gerne 30 Minuten weiterspielen können ohne was Zählbares auf die Tafel zu bringen. Nichts desto trotz eine enorme Mannschaftsleistung von unseren Jungs. Da haben wohl viele gedacht, dass es wieder aufwärts geht. Beziehungsweise lag die Hoffnung in der Luft, den Blogs, Twitter und den Foren. Man möge meinen, eine derartig ambitionierte Mannschaftsleistung sollte uns wieder auf Kurs bringen. Leider war dem nicht so, wie man gegen Blackburn feststellen durfte. Ein Newcastle Dejavu mit nochschlimmerem Ausgang. Die erste Halbzeit waren wir derart dominant, dass wir eigentlich mit einem Zwei-Drei-Tore-Polster in die Pause hätten gehen müssen. Jetzt kann man Gervinho wiederum ankreiden, dass er ein eigensinniger Spieler ist. Ist er nicht - das hat man im Rückspiel gegen Udinese schon sehen können. Jedoch muss er den Pass auf Robin rüber stecken. Da gibt es keine zwei Meinungen zu.
Mutmaßungen auf Twitter besagen, dass unser Tee mit ermüdenden, konzentrationsmindernden Substanzen angereichert wurde. Ich würde sagen: „Same old Arsenal.“ Traurig aber wahr. Wie oft haben wir uns seit Februar in ähnlicher Manier die Butter vom Brot nehmen lassen? Zu oft. Man kann nun Vermutungen darüber aufstellen, ob die Probleme einzig schlechter Defensivschulungen geschuldet sind, ob Arsene den Bezug zu seinen Spielern verloren hat, ob Pat Rice mehr schreien sollte. Es ist schon erbärmlich, gegen einen zweitklassigen Gegner so einzubrechen. Klar - Blackburn ist ein EPL-Team. Die haben vor dem Spiel ein ganzes Tor geschossen und steckten in einer monströsen Krise. Die Fans forderten gar den Rausschmiss des Trainers. Eigentlich die beste Möglichkeit, sie noch tiefer in die Krise zu schiessen. Aber wir haben ja ein großes Herz für Abstiegsaspiranten. Wir sind derart gönnerhaft, dass wir selbst einem späteren Absteiger unseren Titel schenken.
Es ist ein mentales Problem, was sich bei uns breit gemacht hat. Irgendwie fehlen uns die Siegertypen. In der Formation gegen Blackburn waren zu viele Kopfnicker. Niemand, der den Karren aus dem Dreck ziehen kann. Irgendjemand muss mal gehörig auf den Tisch hauen und die Richtung vorgeben. Im Idealfall besorgt so was der Trainer, aber irgendwie scheint mir Arsene dafür zu nett. Wenn ich dann lesen muss, dass er nach der Manchester-Demontage kein Wort zu den Spielern gesagt hat, zweifle ich doch ein bisschen an seinen psychologischen Qualitäten. Ich glaube, bei vielen sitzt der Schmerz über den verpassten Carling Cup-Erfolg immer noch so tief im Unterbewusstsein, dass man stets Angst vorm Versagen hat. Dadurch schleichen sich Fehler ein. Konzentrationsschwächen. Der ein oder andere fatale Lapsus. Wie kann es denn sein, dass wir unser Spiel gegen Blackburn mit 4 neuen Spielern bestritten haben, die von der letztjährigen Situation nicht betroffen waren und trotzdem die komplette Mannschaft nach der Halbzeit verunsichert ist?
Vielleicht ist es ein mentales Problem, welches ein Fussballtrainer nicht lösen kann. Jürgen Klinsmann hatte in seiner Zeit als Bundestrainer einen eigenen Psychologen im Team. Auch Bundesligaclubs wie Werder Bremen und Hannover beschäftigen geschulte Leute aus eben diesem Bereich. Per Mertesacker müsste demnach hierhin gehend Erfahrungen haben. Unser Psycholge Jacques Crevoisier, den wir nur bei Bedarf hinzuziehen, scheint noch nicht den Hebel gefunden zu haben, der die Spieler mental wieder auf die Spur zurück bringen könnte.
Es bleibt jedoch die Frage, wie wir es in Zukunft handhaben? Was bringt uns zurück in die Spur? So kann es mit Sicherheit nicht weiterlaufen. Das wir in dieser Saison nicht um den Meisterschaftstitel mitspielen würden, müsste jedem spätestens mit Cescʻ Abgang klar gewesen sein. Zumindest unterbewusst. Ist jetzt auch nicht wirklich schlimm. Genug anderes Tafelsilber will gewonnen werden. Es ist nur immens wichtig, dass wir die Kurve möglichst bald bekommen. Sollten wir gegen Bolton noch so einen Bock reißen, wackelt Wengerʻs Stuhl ungemein und die Konsequenz mag ich mir nicht ausmalen. Es braucht jetzt einen 4-5 Spiele Lauf um das Selbstbewusstsein wieder zu stärken und eine Konstante zu kreieren. Eine positive Konstante.
Heute morgen erst habe ich mir die Highlights der Saison 2010/11 angesehen. Wie wir in die Saison gestartet sind, war schon sehr gut. Sowohl in der EPL, CL & im Carling Cup gab es wichtige Siege. Ein 4:1 an der White Hard Lane - was war das für ein Erfolg! Das hätte uns eigentlich noch mehr Auftrieb geben sollen, doch was geschah im kommenden Heimspiel gegen West Bromwich? Ein 2:3 - ein Spiel das wir nie hätten verlieren dürfen. Und wer die letzte Saison verfolgt hat, weiß, dass wir immer wieder solche Einbrüche zu verzeichnen hatten. Ich schätze, es ist ein mentales Problem. Arsene spricht von „Mental Strength“. Ich sage genau das Gegenteil - unserer Mannschaft fehlt der Glauben an sich selbst und die Motivation, gegen schwache Gegner wie Blackburn einfach mal die Konzentration über 90 Minuten beizubehalten.
Hat Manchester United nun die beste Mannschaft der EPL? Nein, haben sie nicht. Das hat man gegen Chelsea sehen können. Wenn Ramirez den Ball am Anfang auf Sturridge durchlässt und der aus 5 Metern einschiebt, nimmt das Spiel einen ganz anderen Verlauf. ManU hat sich auch hier nicht mit Ruhm bekleckert. Der Unterschied ist nur, dass ManU jedem Gegner einfach mit der nötigen Motivation entgegen tritt - 90 Minuten lang. Egal, ob Chelsea oder Bolton. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir die bessere Mannschaft haben als ManU, die besseren Einzelspieler auf jeden Fall. Aber uns fehlt die Motivation in den Situationen, in denen es drauf ankommt. Gegen Barca muss man eine Mannschaft nicht motivieren. Das macht der Name und Status der Katalanen schon alleine.
Aber Newcastle, Blackburn, Swansea & Co. - das sind für uns die wichtigsten Punkte. Wenn man Arsenal gegen Tottenham, Man City, Chelsea, Liverpool & Manchester United motivieren muss, dann hat man ein enormes Problem. Selbstverständlich, dass unsere Spieler hochmotiviert sein müssen. Meiner Auffassung nach ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Saison die Erkenntnis Arseneʻs, dass unsere Mannschaft sowohl ängstlich als auch stellenweise unmotiviert in Spiele geht. Beziehungsweise die Motivation nach 45 Minuten in der Kabine lässt. Die erste Halbzeit gegen Blackburn war ein Manifest dessen, zu was wir fähig sind, wenn wir es drauf ankommen lassen. Gut - eingespielt sind wir auch noch nicht. Gerade in der Defensive als auch im Mittelfeld. Das kommt noch. Doch das psychologische Problem wird bleiben. Deshalb plädiere ich persönlich für eine engere Zusammenarbeit mit einem geschulten, fähigen Psycholgen und einem neuen Defensivcoach. Steve Bould - jemand? Lassen wir mal Keown außen vor. Bould ist schon beim Club. Und laut einstimmiger Meinung ist er mehr als fähig, eine Abwehr zu schulen.
Für mich bleibt Arsene unantastbar momentan. Warum? Weil es in der Saison 2011/12 keinen fähigen Ersatz geben wird. Und was ab Mai passiert, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Lassen wir ihn den Karren, den er in den Dreck gefahren hat, rausziehen. Das hat er verdient. Er hat diesen Verein erst dahin gebracht, wo er jetzt steht. Ihm ist es schließlich zu verdanken, dass wir so erfolgsverwöhnt sind. Ich persönlich nicht, da ich erst mit dem CL-Finale in Paris zu Arsenal gefunden habe und danach haben wir bekanntermaßen nichts gewonnen außer Runner-Ups im Carling Cup.
Come on, Arsenal!
Euer Marc @MateoCorleone
Die Liebe Kolumne
Wie wir ja bereits vor ein paar Wochen angekündigt hatten werdet ihr auf Germangunners zukünftig regelmäßige Gastbeiträge von Marc Liebe finden können. Ihr findet diese immer unter der passenden Überschrift "Die Liebe Kolumne". Marc wird sich über aktuelle Themen bei Arsenal und anstehende Verpflichtungen den Kopf zermartern und uns seine Gedanken mitteilen.
Heute könnt ihr sein Erstlingswerk lesen. Gebt ihm Feedback und nutzt die Kommentare. Hoffe euch gefällt unsere neue Rubrik.
Das Ende einer Ära - Goodbye, Project Youth?!?
Es war ein langer, trauriger Sommer, der auf eine noch weitaus traurigere Rückrunde 10/11 folgen sollte. Im Februar lagen Magie und Unvermögen nah zusammen - ein Sieg gegen das beste Team der Ist-Zeit und eine Niederlage im von uns eigentlich so ungeliebten Carling Cup gegen einen späteren Absteiger. Es war unser persönlicher Abstieg, der folgen sollte. Wieder keine Silberware fürʻs Vereinsheim - dann musste auch noch Busacca daher kommen. Es fehlte an allen Ecken - Charakter, Kampfgeist & Zusammenhalt. Arsenal FC glich einem Haufen überbezahlter, lustloser Profis, denen die Passion verloren gegangen war. Konnte man von einem auf den anderen Tag all seine Ambitionen auf der Strecke lassen? Le Professeur schien am Ende. Sollte seine Zeit gekommen sein? Die Geduld der Fans - unsere Geduld - war jedenfalls am Ende.
Vom Anwärter auf die Meisterschaft fielen wir auf den 4.Rang zurück - dem Champions League-Qualifikationsplatz. Wenigstens war Tottenham nicht vor uns. Ein kleiner Trost und Anlass für Songs a la „We riding round Tottenham with our weenies hanging out“. Kein Champagner für unsere nunmehr 6-jährige Durststrecke.
Aber das Transferfenster öffnete sich - ein Raunen ging durch die Blogs, Foren & Twitter. Werden wir Wesley Snijder bekommen, stellen wir Etoʻo neben RVP, geht Bendtner zum großen FC Barcelona, wo er, im Hinblick auf sein Potential, eigentlich hingehört? Wird Cesc einen 10-Jahres-Vertrag unterzeichnen und live und in Farbe auf eines dieser hässlichen katalanischen Trikots mit Xaviʻs aufgedrucktem Gesicht pinkeln? Nimmt Na$ri gar einen wöchentlichen Paycut hin, um dafür bei uns bleiben zu dürfen? Es sollte alles anders kommen.
Carl Jenkinson war unser erster Einkauf - ein Guter für die Zukunft wohlgemerkt. Bekennender Arsenal-Fan seit Kindestagen. Wir brauchen mehr Patrioten. Akzeptiert.
Gervinho (oder auch Gervais Yao Kouassi) - damit hatte ich wahrlich schon nicht mehr gerechnet. Für mich vor 2 Jahren schon ein sehr guter Spieler gewesen und speziell bei der WM in 2010 positiv aufgefallen in einem sonst eher unterirdischen ivorischen Team. Akzeptiert.
Joel Campbell ist mir aktuell ziemlich egal. Hat ja auch nicht wirklich viel Geld gekostet und ist ein klares Indiz für eine Weiterführung des „Project Youth“. Puerto Rico, mami. Warum eigentlich nicht? OK.
Dann wurde es ungemütlich. Das Herz unserer Mannschaft, der britischste Katalane aller Zeiten, die beste Nummer 4, die dieser Verein je gesehen hat (sorry, Vieira - ManCity hat‘s für Dich versaut), wurde nach Barcelona transferiert. Die Schlammschlacht hatte ja schon seit nunmehr 3 Jahren angehalten und irgendwann kam der Moment, wo Cesc Arsene‘s Ziel nicht mehr gesehen hat. Ich kann es ihm nicht verdenken. Er hat Woche für Woche sein Herz für diese Mannschaft gegeben, nicht nur Schweiß und Blut. Meistens war er allein auf weiter Flur. Es fehlte an Qualität, es fehlte jemand an seiner Seite. Jack ist noch zu jung und unerfahren gewesen, um auf Cesc‘ Level zu agieren. Er wird dahin kommen und ich rechne stark damit, dass er der beste englische Spieler wird, der jemals die Cannon auf der Brust getragen hat. Aber Cesc brauchte vorher schon mehr Qualität an seiner Seite. Ich glaube, sein Herz wurde ihm im Februar beim Verfolgen des Desasters im Wembley Stadion gebrochen. An diesem Tag hat man wohl schon seine Freigabe unterschrieben (zumindest imaginär).

Viele Fans haben gemeint, man solle doch jetzt davon ablassen, Cesc noch bei Twitter zu verfolgen. Selbst schuld - hier wird nämlich erst sichtbar, was er auch jetzt noch für Arsenal empfindet. 8 Jahre und auf einmal ist die Liebe weg? Warum sollte er sich die Mühe machen, das Manchester-Spiel anzuschauen, welches mit Sicherheit für ihn nicht weniger schmerzhaft war wie für jeden anderen Fan? Warum sollte er sich nicht darüber informieren dürfen, wer neu zu uns transferiert wird? Zeugt dieses Interesse nicht von Liebe & Verbundenheit? Jeder, der das als reine Farce Cesc‘ betitelt, um uns Arsenal Fans zu befriedigen, der bekommt ein dickes „Cunt“ auf die Stirn tätowiert! Ein Weltklassespieler gehört nun mal in eine Weltklasse-Mannschaft und ehrlich gesagt hat er es sich redlich verdient. An dieser Stelle eine große Verbeugung vor Cesc und seiner Leistung. Du wirst mir fehlen und nur deinetwegen schau ich mir bei 101 Goals Highlights von Barcelona-Spielen an. Du siehst wohlgemerkt in diesem Dreckfetzen echt schlimm aus.
Man sollte hierbei keine Brücke zu Mr. Lesboface aka Samir Na$ri ziehen. Ich freue mich in dem Zusammenhang auf ein paar neue Songkonzepte. Ideen bitte in die Kommentare. „Lesbian faced cunt“ ist allerdings ein inhaltliches Muss. Ein Spieler, der es wahrhaft schaffte, 6 Monate lang eine gute Leistung abzurufen und urplötzlich dachte, er wäre Zinedine Zidane. Gut - es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass er bei seinem Debüt für ManCity nicht mehr als überzeugt hätte. Ich glaube auch, er wird sich dort gut entwickeln. Sollte jemand jedoch einen direkten Draht zu Ryan Shawcross haben, würde ich mich sehr über eine kurze Information hierzu freuen.
Er hätte unser neues Team mit gestalten können - Cesc‘ Position war vakant und somit weitaus mehr Möglichkeiten vorhanden, das Spiel kreativ anzukurbeln. Man kann es sich auch einfach machen und in ein immens gut besetztes Team wechseln. 200.000 Pfund die Woche - wer hätte da wohl „Nein“ gesagt? Leute mit Ehre und Schneid.
Was noch unannehmbarer als seine monetäre Gier war, ist wohl jedem im ersten ManCity- Interview klar geworden. Vor 10 Jahren wusste noch niemand, dass es in Manchester 2 Teams gibt. Innerhalb von 10 Jahren hat es die Anhängerschaft gemeistert, auf einer Stufe mit den wahrscheinlich fanatischsten Fans der Welt (Olympique Marseille) zu stehen? Fans, die sich Wayne Rooney auf ihren Rücken tätowieren mit der Aufschrift „City Legend“? Komm schon, Samir. Das ist ein Affront gegen all die wahren Fussballfans dieser Welt! Und das nachdem Du gegen Barcelona im Emirates auf dem Rasen standest, wo das Stadion beinahe unter den Fanemotionen eingefallen ist? Im Highbury war mehr Stimmung? Ah, stimmt. Du warst ja 2004 bei den Invincibles dabei. Hatte ich doch glatt unterschlagen. Du kanntest nur das Emirates!
Nun gut - wir steigen also in die Saison ein, bleiben gegen Newcastle und Udinese blaß, müssen mit einer B-Mannschaft gegen Liverpool mit 10 Mann eine späte Niederlage einstecken. Die Stimmung war bis dato im Keller, nun wanderte sie gen Erdmittelpunkt.
In Udinese dann ein mehr als ambitioniertes Display und ein komfortabler Sieg. Wir haben kurzzeitig Frieden geschlossen. Dann kam der Tag im Old Trafford. Es tut jetzt noch weh, das Ergebnis auszuschreiben. Die höchste Pleite seit 1896. Are we going to spend some fucking money right now?
Of course, we do! Es wurde das wahrscheinlich beste Transferfenster der letzten 10 Jahre für Arsenal. C.Y. Park, Andre Santos, Per Mertesacker, Yossi Benayoun und zu guter Letzt Mikel Arteta. Boom! So stellt man sich das doch vor. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass wir unseren Kader mit Qualität aufgestockt haben, deren auch noch Premier League und internationale Erfahrung immanent ist. Eden Hazard, Mario Götze, M‘Villa - überragende

Spieler. Aber hätten sie sich so schnell wie Arteta & Benayoun zurecht gefunden? Ich zweifle doch sehr stark. Jetzt haben wir ein paar Jungs, die Jack, Aaron, Emanuel, Carl, Miquel, Ryo, Alex und Joel an die Hand nehmen und ihnen zeigen, wie der Hase läuft. Wir haben unserem „Project Youth“ endlich wieder die Dimension gegeben, das es in den letzten Jahren so schmerzlich vermisst hat. Für Experimente, Arsene, bleibt der Carling Cup.
Traurig stimmt mich der Ausfall von Jack. Es war jedoch vorauszusehen. Er war ein Gewinner des „Project Youth“ und zugleich auch ein Verlierer. Die Überbelastung hat ihm sein junger Körper am Ende nicht gedankt. Ich hoffe, er bekommt nun seine ihm zustehende Pause. Möge die Macht mit Dir sein, junger Jedi! An Jack werden wir noch sehr viel Spaß haben, Fellow Gooners!
So - jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Swansea-Spiel. Ich erwarte mindestens 4 Tore - ich bin optimistisch, ich weiß. 10 wären mir lieber. Spielt da jemand aus San Marino zufällig? Oder aus dem Libanon? Jedenfalls wächst die Vorfreude auf neue Gesichter in unserem wundervollen 125-Jahre-Shirt. Um Frimpong zu zitieren:
„It‘s going to be dench!“
Good times, fellow gooners! Marc Liebe